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Text & Fotos: Christian Plomer

Crew: Christian (Skipper), Roman (1. Offizier), Erich (Navigator), Rudi (Finanzminister)

Route: Kalamaki - Poros - Spetsai - Plaka Leonidios - Poros - Kalamaki - 140 sm

  • Kalamaki - Poros - Spetsai - Plaka Leonidios - Poros - Kalamak

Am Samstag, 30.5. starten wir zu unserem Törn mit einem kurzweiligen Hinflug auf unseren vier Gangplätzen im Karree und freundlichen Stewardessen, die uns wohlwollend mit ausreichend Bier zur üppigen AUA-Mahlzeit (Kinderportion Salzgebäck) versorgen. Unser Schiff, eine GibSea 43 namens 'Be Happy' mit 4 Kabinen und nagelneuen Segeln erwartet uns schon in der Marina Kalamaki, der größten Griechenlands. Als Skipper übernehme ich das Schiff, und es ist eine erfreulich gründliche Schiffsübergabe durch Marinero John, einem ehemaligen Marine-Schiffselektriker.

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Währenddessen schwärmt die restliche Crew aus, um Vorräte für die Woche einzukaufen. Anschließend Sicherheitseinweisung für die Crew durch den Skipper. Für den ersten Abend folgen wir der Empfehlung Johns zu einem netten kleinen Lokal unweit der Marina für ein erstes Abendessen. Zur Einstimmung gibt es leckere kleine frittierte Fische, später Ausklang an Bord.

Wetterbericht für Sonntag: AthSa So00:N-NE;2-3 So06:N;2-3 So12:NE;2-3 So18:NW-N;0-2; Mo00:N;2-3; Mo06:NW-N;3; Mo12:N-NE;5;1m

Sonntag, 31.5.: Nach einer eher unruhigen, lauten Nacht (Marina-Disko!!) übt sich die Crew erstmals bei der Frühstückszubereitung auf Teamwork für die kommenden Bordtage ein, inklusive Orientierung unter Deck wie ‚wer hat das Messer gesehen‘, ‚wo ist der Speck‘, ‚wieso kommt da kein Kaffee raus, wenn es schon so dampft‘ (Espressomaschine mit unbekanntem Fehler), ‚haben wir eigentlich kein Warmwasser an Bord – grundsätzlich schon, wenn jemand den Boiler eingeschalten hätte‘…. Fehlende nautische Grundausrüstungen wie Korkenzieher, Kursdreieck und Batterien für das Rettungsring-Notlicht werden vor dem Auslaufen noch von der Charterbasis organisiert.

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Wir verlassen den Hafen und natürlich funktioniert die Logge wieder einmal nicht – entgegen der Zusage durch den Vermieter – eh klar! Fachmännischer Ausbau und Reinigung durch Roman und Rudi – dem Bewuchs nach zu schließen hat sie wohl schon länger nichts mehr angezeigt… Den Saronischen Golf (Saronikós Kolpós, Σαρωνικός Κόλπος), zwischen Festland-Griechenland Attika und dem Peloponnes gelegen, querend nehmen wir Kurs auf Poros. Anfangs freuen wir uns unter Segel mit 40° vor 2-3 Bft starken Wind zu fahren, später müssen wir leider die Segel wieder bergen und dieseln, da der Wind südlicher dreht und somit der Kurs nicht mehr gehalten werden kann. Auch wurde der Wind schwächer - wir wären unter Segel wohl erst in der Nacht in Poros eingetroffen.

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Poros (Πόρος) ist eine kleine Insel im südlichen Teil des Saronischen Golfs, die durch einen 300m breiten Kanal von der Pelopponesischen Küste getrennt ist. Den gleichnamigen Hauptort steuern wir aus östlicher Richtung an und gehen gleich am Anfang des Städtchens nach Einweisung durch den Wirt beim Punda Pub komfortabel längsseits Mole. Ein netter Brite, der das kleine gemütliche Pub betreibt, mit ein paar Tischen am Wasser, Duschmöglichkeit und WLAN. Ein erster After-Törn Ouzo im Pub-‚Gastgarten‘ an der Mole geht gleich nahtlos in ein kleines Abendessen über. Später bummeln wir noch durch Poros – es ist einiges los weiter oben an der Promenade, High-live, Trubel, Lärm .. .. wir beglückwünschen uns zu unserem ruhigen Liegeplatz beim Punda Pub.

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Wetterbericht für Montag: AthSa Mo00:N;3(6-7); Mo06:N;4;0.5m; Mo12:N-NE;4;0.5m; Mo18:N-NE;4;0.5m; Di00:N;3-4;0.5m; Di06:N;4-5;1m; Di12:N-NE;5-6;1.5m

Montag, 1.6. Frühstück auf der Pub-Terrasse unweit unserer Be Happy, danach Auslaufen und Durchfahrt zwischen N. Spathi & N. Skilli beim Kap Skilleon ins Golf von Hydra mit Ziel Hydra.

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Hydra oder griechisch Ydra verdankt ihren Namen einer Zeit, als sie noch eine sehr wasserreiche und fruchtbare Insel war. Seit dem Abholzen zum Bau der Flotte des griechischen Reiches ist die Insel karg. Heute spielt die Landwirtschaft kaum mehr eine Rolle, Haupteinamequelle sind neben Fischerei und Kunstgewerbe der Tourismus und die Insel ist im Sommer recht überlaufen mit Tagestouristen aus Athen.

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Wie zu befürchten war, ist der kleine Hafen von Hydra voll, vielleicht haben ja wir auf der Rückfahrt Glück. Somit geht es weiter Richtung Nisos (Insel) Spetsai zur Ormos (Bucht) Baltizas. Der Name Spetsai stammt aus der venezianischen Zeit zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert, als die Insel "Isola de Spezzie" hieß, was so viel wie Insel der Gewürze bedeutet. Voll Enthusiasmus werden Segel gesetzt, die 'Segelversuche' jedoch bei 10 Kt Raumschott-Wind bald wieder abgebrochen und gedieselt.

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Die paar Landliegeplätze in O. Baltizas sind belegt, somit entschließen wir uns im Hafen zu ankern.

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Nach erfolgreichem Ankermanöver stellen wir fest, dass unser Nachbar mit Bug & Heckanker liegt und nun für uns zu wenig Platz zum Schwojen ist. Rudi und Erich dürfen mit 'großer Freude' mit dem Dinghi rudernd einen zusätzlichen Heckanker ausbringen.

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Landgang mit Dinghi, für unser Abendessen an Land verschaffen wir uns zuerst mittels Bierpreis-Index einen Überblick über das Preisniveaus der unterschiedlichen Tavernen – mit einer Bandbreite zwischen 3€ für ein großes Bier bis zu 5€ für ein kleines Bier! Wir wählen eine Taverne mit Terrasse über dem Wasser mit Blick auf unsere ankernde Be Happy. Gut gewählt, gut und preiswert gegessen. Wie schon bei meinem letzten Besuch auf Spetsai vor ein paar Jahren habe ich die lokale Spezialität Fisch Spetsai gewählt. Ausklang an Bord.

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Wetterbericht für Dienstag: AthSa Di00:N-NE;4-5(6-7);1m; Di06:N-NE;5-6(6-7);1.5m; Di12:N;5(7);1.5m; Di18:N;4-5;1m; Mi00:N-NE;4;0.5m; Mi06:;5-6;1m; Mi12:;5-6;1.5m

Dienstag, 2.6.: Bug- & Heckanker haben trotz drehender Winde gut gehalten. Heute ist Romans Geburtstag und zum Frühstück gibt es Skipper’s Spezialomelett mit viel Petersilie.

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Anker auf und Abfahrt Richtung Plaka Leonidion an der Ostküste vom Peloponnes. Leonidi liegt am Rande des Mündungsgebiets des Flusses Daphnon. Plaka selbst, ein noch relativ unberührter Fischer- und Hafenort, gilt als der Seehafen von Leonidion. Plaka habe ich bereits auf früheren Törns als ruhigen gemütlichen Hafen mit guten Tavernen fernab des Trubels kennen und schätzen gelernt.

Eigentlich verspricht der Wetterbericht einen guten schönen Segeltag; die Realität sieht leider kurz nach der Durchfahrt zwischen N. Spetsai und N. Spetsopoula anders aus – umlaufende Winde NW-NE mit 0,2 – 5 Kt, somit steht heute wieder Dieselverbrennen am Programm. In der Durchfahrt zwischen N. Spetsai - N. Spetsopoula möchte uns Erich in sicherem Abstand zu der eingezeichneten Untiefe durch die Passage navigieren, jedoch plötzlich steigt der Boden an, 20 - 15 - 10 – 5 m unter Kiel, wir passieren die Stelle schließlich in Schleichfahrt, Bugausguck und klarer Grundsicht mit ausreichend Wasser unterm Kiel – GPS Fehler oder eine 'wandernde Untiefe'?

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Der beschauliche kleine Hafen von Plaka Leonidios ist fast leer, wir legen komfortabel längsseits Mole an und der Nachmittag wird am Strand mit Schwimmen und Kaffee in der Strandbar verbracht. Abends wird in der gleichen Taverne wie bei meinen vorherigen Aufenthalten Romans (anwesend) und Hertas (in Wien) Geburtstag gefeiert.

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Es ist ein traumhafter Ausblick auf die Fischerboote und unsere Jacht im Hafen und den aufgehenden Vollmond über dem Meer – extra für das Geburtstagskind! Verschiedene Vorspeisen auf Empfehlung des Wirts, traumhafte üppige Fischsuppen für Rudi und mich, frittierte Gavros (Sprotten) für Roman und Erich. Eine Völlerei!

Wir und zwei andere liegen bequem längsseits, dann kommen bei Dunkelheit noch ein paar Segler rein – es ist ausreichend Platz. Ausklang an Bord, wobei wir nach dem (zu) üppigen Essen Romans 'Geschäftsidee' zur Eröffnung einer 'Sodbrennerei' bei ein paar Ouzo weiterentwickeln.

Wetterbericht für Mittwoch: AthSa Mi00:N;4-5(7);0.5m; Mi06:N;6(7);1.5m; Mi12:N-NE;6(6-7);1.5m;
Mi18:N;3-4;0.5m; Do00:NW-N;4;0.5m; Do06:N;5;1m; Do12:N-NE;5-6;1.5m

Mittwoch, 3.6.: Nach Wetterbericht – theoretisch – wieder guter Segelwind, der jedoch, wie schon gestern im 1100 einschläft. Wir entscheiden uns daher, noch einen Tag in Plaka zu bleiben und als Wirtschaftshilfe für Griechenland Maria in der Strandbar Umsatz zu bescheren.

Wetterbericht für Donnerstag: AthSa Do00:NW-N;4-5;0.5m; Do06:NW-N;4;0.5m Do12:N-NE;3-4;0.5m
Do18:N-NE;4;0.5m; Fr00:N;3;0.5m; Fr06:N;3-4;0.5m; Fr12:N-NE;4;0.5m

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Donnerstag, 4.6.: Aufgrund der Erfahrung der letzten Tag, dass der Wind am späteren Vormittag einschläft, springt der Skipper über seinen Schatten: Auslaufen mit Morgenwind um 0700 (!) für die 33 sm zurück nach Hydra. Ein toller Segeltag, wobei wir diesmal auf Nummer sicher gehen, die Durchfahrt mit der mysteriösen Untiefe meiden und N. Spetsopoula südlich umrunden. Unser Plan ist aufgegangen, schönes Segeln bei 3-5 Bft, anfangs mit halbem Wind, später vorlicher, teils gerefft konnten alle ihre Künste als Rudergänger beweisen. So manche (fast) Patenthalse konnte gerade noch vermieden werden und bald sind alle Crewmitglieder Profis am Ruder.

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Später, im Kólpos Ýdras (Golf von Hydra), im Schnittpunkt zwischen Saronischem und Argolischen Golf gelegen, dreht der Wind und flaut ab. Da wir – falls Hydra voll ist – noch bis Poros wollen, entscheiden wir uns, statt kreuzen wieder die Mineralölindustrie zu sponsern und fahren unter Maschine. Wie befürchtet, keine Chance auf einen Liegeplatz im Hafen von Hydra, also geht es noch 10 sm weiter, wieder zum Punda Pub auf Poros. Unterwegs queren wir mit einigen Ausweichmanövern ein Treibgutfeld aus Bambusstangen, Ästen, Styropor und paar Orangen (!) – ob da eine Strandhütte ihre letzte Reise angetreten hat? 

Poros ist am ‚Rückreiseabend‘ Richtung Athen deutlich voller, aber mit Anker und Heck zur Mole finden wir bequem Platz. Diesen Abend hat Paul im Punda Pub ‚Live Musik to nite‘ am Programm; eine Australische Sängerin und es gibt BBQ. Klar, dass wir uns einen Tisch reservieren.

Wetterbericht für Freitag: AthSa Fr00:N;2-3(7-8); Fr06:N-NE;4-5(6-7);1m; Fr12:N;3-4;0.5m
Fr18:N;4-5;1m; Sa00:N-NE;5;1m Sa06:N-NE;6;2m Sa12:N-NE;5-6;1.5m

Freitag, 5.6.: Heute ist unser letzter Seetag, wir laufen aus Poros wieder östlich aus mit direktem Kurs auf Kalamaki. Es wäre ja grundsätzlich ein schöner Segelwind mit 3-4 Bft, vorerst halb, dann 45°. Vor dem Segelsetzen beobachten wir jedoch einige Zeit die Entwicklung der breiten Regenfront vor uns über Athen und warten ab. 

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Es war eine gute Entscheidung keine Segel zu setzen, bald wird der Himmel vor uns immer dunkler, voraus aber auch backbord und steuerbord voaus bauen sich Regenwände auf, der Wind legt spürbar zu und wird böig, die See rau und Gischt weht übers Schiff. Alles kommt direkt aus unserer Fahrtrichtung 15°. Durch Wind und Seegang fällt unsere Fahrt auf 1 ½ Kt zurück, es wird ein ruppiger Ritt im Regen.

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Gut, dass wir keine Segel gesetzt hatten, zum Reffen oder Bergen wäre wenig Zeit geblieben. Sogar das stark flatternde Bimini haben wir noch rechtzeitig weggeklappt. Nach Durchzug der Front bleibt die See noch einige Zeit rau, aber der Wind ist leider weg… also weiter unter Maschine Richtung Kalamaki Port. Bei schwachem Wind ist es ein problemloses Einlaufen rückwärts zwischen den Molenreihen entlang bis zu unserem Liegeplatz. Maschine Aus - Törn Aus!

Nach unserer guten Erfahrung am ersten Abend wählen wir wieder die gleiche Taverne für unser Abschlussessen. Zwischen einheimischen Gästen aus der Umgebung und anderen Crews findet unser gelungener Törn ein würdiges Ende. Die letzte Nachtruhe ist leider eher kurz, was nicht an exzessivem Feiern unserer Altherrenrunde lag, sondern wieder an der vollen Lautstärke aus der Marina-Disco bis nach 3 Uhr, gefolgt von einem 'Fallenorchester' aller nicht durchgesetzten Fallen rundherum um 4 bei starken Gewitterböen.

Samstag, 6.6. Schiffsübergabe, packen, Frühstück in einer nahen Strandbar und ab zum Airport.

Abschließend noch eine Anmerkung zur Marina Kalamki: Sie liegt zwar durch den Flughafenbus und die Straßenbahnverbindung direkt ins Athener Zentrum für Chartertörns sehr günstig, jedoch ist die Marina in einem erschreckend schlechten Zustand. Keine Wartung, äußerst mangelhafte Reinigung der Sanitäranlagen, kein Warmwasser, alles recht desolat und ungepflegt, Discolärm bis in die frühen Morgenstunden – das alles in Griechenlands größter Marina! Entweder man meidet Übernachten in der Marina durch unverzügliches Auslaufen, oder wählt eine andere Marina für seinen Törn!

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Trotz der Marina haben wir uns den Törn und unsere gute Laune nicht verderben lassen – es war eine tolle Woche mit einer tollen Crew. Wir hatten jede Menge Spaß zusammen, schöne Tage auf See und lustige Abende bei dem einen oder anderen (oder beiden) Gläschen Ouzo.