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  • Santorin

Text: Herta Plomer | Fotos: Christian Plomer

Am 25. Mai abends um 17 Uhr 20 starten wir unseren Urlaub in einer Fokker 100 der Austrian, welche uns in gut zwei Stunden Flugzeit auf die griechische Insel Santorin bringt. Bereits im Landeanflug sehen wir die Sonne im Meer versinken und erkennen erstmals die markanten halbmondförmigen Umrisse der wohl berühmtesten Vulkaninsel der Ägäis, sowie ihrer kleinen Schwester Thirasia, den Vulkankrater (Caldera) mit den beiden Inseln Nea und Palea Kameni inmitten. Bereits in der Dunkelheit geht es zum Hotel Fanari Villas, malerisch hoch oben am steilen Kraterrand des Ortes Oia gelegen, wo wir die nächsten neun Tage verbringen.

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26. Mai: Kali‘mera – guten Morgen! Die Insel ist bereits zu Leben erwacht, als wir auf der Hotelterrasse bei angenehmen 25° C mit Blick auf die Caldera, den Hafen von Ammoudi, die Insel Thirasia und das Meer frühstücken. Das Panorama ist einzigartig.

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Wir erkunden erstmals Oia (korrekt ausgesprochen Ia), welches sich ganz im Nordwesten der Insel befindet und für seine traumhaften Sonnenuntergänge gepriesen wird. Durch die Kraterrandgasse flanieren wir zur Panagia-Kirche mit zahlreichen Wandmalereien im traditionellen byzantinischen Stil und steigen nachmittags 272 Stufen hinab zum kleinen Hafen von Ammoudi, wo wir in einer gemütlichen Taverne am Kai speisen und auf die Boote und die Insel Ios hinausblicken. 

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Danach kehren wir zu Fuß wieder die Stufen zurück zum Hotel. Von einem Maultierritt bergwärts haben wir in sportlicher Manier Abstand genommen; die sichtlich gequälten Tiere plagen sich zusehends am glatten Steinboden unter der Last touristischer Besucher. Zwischendurch ergeben sich für uns immer wieder tolle Ausblicke auf die Kraterwand und die sich wie Schwalbennester eingefügten Hotels, Terrassen und Gärten sowie den unter uns liegenden Hafen und das Meer.

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Von unserer Zimmerterrasse aus erleben wir unseren ersten stimmungsvollen Sonnenuntergang auf der Insel. 

27. Mai: Für heute haben wir eine Bootstour mit einem Katamaran in die Caldera gebucht. Hier befand sich einst ein etwa 1.500 m hoher Vulkankegel, welcher bei einem verheerenden Ausbruch im 16. Jh. v. Chr. explodierte und ein großer Teil der Insel im Meer versank. Gleichzeitig entstand ein riesiger Krater (Caldera), in den Meerwasser einströmte – ein weltweit seltenes Phänomen – mit den kleinen Inseln Nea und Palea Kameni inmitten. Die Insel nahm in etwa ihre heutige Gestalt an, mit einer Steilküste an der Westseite und flachen langen Stränden im Osten.

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Von Ammoudi aus stechen wir morgens zusammen mit 18 weiteren Passagieren in See, zuallererst zur Insel Palea Kameni. In einer Bucht mit 35° C warmen Eisen- und Schwefelquellen haben wir erstmals Gelegenheit zu einem Bad im Meer. Wir sind eine internationale Gruppe, zusammengesetzt aus Amerikanern, Australiern sowie Gästen aus Kolumbien, den Niederlanden und Deutschland. An Bord herrscht eine lockere und ungezwungene Atmosphäre, die Sonne lacht vom Himmel und alle genießen den schönen Tag und die tollen Ausblicke auf die Inseln und die Orte am Kraterrand. Als nächste Station geht es an die Außenseite des Kraters zum White Beach, Paralia Aspri, mit den besonders hellen Bimssteinklippen im Hintergrund, wo sich Chris und einige andere Gäste mit Schnorchel und Taucherbrille in die Fluten stürzen sowie zum Red Beach, Paralia Kokkini, den bekanntesten Strand, wo uns ein köstliches Barbecue an Bord erwartet und wir die imposante rote Lava- und Aschewand bewundern. Nachmittags kehren wir wieder in den Hafen von Ammoudi zurück und lassen unseren Tag noch am Pool ausklingen.

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28. Mai: Morgens starten wir mit einem ausgiebigen Frühstück. Marianna versorgt uns am Buffet wie immer stets freundlich mit Tee und Kaffee und gesellt sich zu einem kurzen Plausch zu uns.

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Gestärkt machen wir uns zu Fuß entlang des Kraterrandes auf den Weg Richtung Imerovigli. Vorbei an Hotelanlagen und Gärten genießen wir zwischendurch immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die Caldera, das Meer und die Inseln Thirasia, Nea Kameni und Palea Kameni. Bei einer der zahlreichen kleinen Kirchlein machen wir auf einer Anhöhe Halt und blicken über die westlichen Ausläufer sowie zur flach abfallenden Ostseite der Insel hinab auf liebliche Ansiedlungen mit den typisch weiß-blauen Häusern.

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Schließlich kehren wir wieder nach Oia zurück. Bei einem romantischen Dinner auf der Hotelterrasse stoßen Chris und ich abends mit santorinischem Wein auf unseren Hochzeitstag an. Das Wetter hat inzwischen deutlich zugezogen, der Himmel ist nun zwar bedeckt (mit dem Sonnenuntergang wird es wohl heute nichts), dies tut unserer Freude jedoch keinen Abbruch. Glücklich blicken wir hinaus auf das Meer und zurück auf 30 erfüllte Ehejahre. Ich + Du = Wir. “Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut, sondern dass man gemeinsam in dieselbe Richtung schaut!“ (A. de Saint-Exupery).

29. Mai: In der Nacht ist starker kühler Wind aufgezogen und so entschließen wir uns nach dem Frühstück zu einem Besuch im Seefahrtmuseum in Oia, welches in einer schönen klassizistischen Villa beherbergt ist. Das kleine, überaus interessante Museum beinhaltet zahlreiche nautische Geräte, Schiffsmodelle sowie hölzerne Galionsfiguren. Historische Fotos verdeutlichen uns, wie Oia vor dem Erdbeben von 1956 ausgesehen hat. 

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Wir flanieren noch durch die engen Gässchen und Treppen des Ortes und entspannen nachmittags im Hotel und während einer wohltuenden Körpermassage.

30. Mai: Für die nächsten drei Tage haben wir einen Leihwagen zur Verfügung. Nicholas vom Hotel war so nett uns einen Nissan Micra zu organisieren, welcher uns heute in die Inselhauptstadt Thira (auch Fira genannt) bringt, ebenso wie Oia malerisch am Kraterrand gelegen bzw. in die Kraterwand hineingebaut. Zusammengewachsen mit den Nachbargemeinden Imerovigli und Firostefani ziehen sich die Häuser der Stadt auf einer Länge von über drei km als weißes Band der Caldera entlang. Mit der Kabinen-Seilbahn geht es in zwei Minuten 225m hinab zum alten Hafen, Skala genannt. Wir ziehen es heute vor die 587 Stufen des kopfsteingepflasterten Weges nicht zu Fuß hinabzusteigen. Atemberaubend ist die Sicht von der Seilbahn auf die Bucht, die Inseln Nea und Palea Kameni, Thirasia sowie auf ankernde Boote und Kreuzfahrtschiffe allemal. Am Kai speisen wir in einer typisch griechischen Taverne Tsatsiki und Fisch und freuen uns des Lebens. Jamas! Mit einem Glas Ouzo stoßen wir auf den schönen Tag an. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre unter südlicher Sonne, wir verfolgen das quirlige Treiben am Wasser und beobachten die zahlreichen Tenderboote, welche zwischen Kreuzfahrtschiffen und Kai hin- und herpendeln, mit Passagieren aus aller Herren Länder.

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Nachdem wir wieder ins Zentrum von Thira zurückgekehrt sind, starten wir unser Sightseeing-Programm im katholischen Viertel Ta Frangika am Dominikanerkloster und der katholischen Kathedrale aus dem Jahr 1823, welche Johannes dem Täufer geweiht ist. Danach gibt uns das Ghizi-Museum – untergebracht in einem restaurierten venezianischen Haus aus 1700 – Einblick in die bewegte Inselgeschichte, die Lebensweise der Menschen sowie die Natur Santorins. Auch moderne Kunst griechischer und ausländischer Maler ist zu sehen. Vom Nomikos-Konferenzzentrum genießen wir einen traumhaften Ausblick über die Stadt, den Inselbogen und das Meer und beenden unseren Ausflug in der orthodoxen Kathedrale, einem schneeweißen Kuppelbau aus dem Jahr 1827, mit wertvollen Kristallleuchtern, großflächigen Malereien und einer kunstvollen Ikonostase. 1956 wurde die Kathedrale infolge eines Erdbebens zerstört und danach wieder aufgebaut. Anschließend flanieren wir noch durch Thiras enge Gässchen und kehren danach zum Hotel zurück.

31. Mai: Mit dem Leihwagen sind wir heute unterwegs in den Süden. Kultur steht als erstes auf unserem Programm, und zwar die berühmten Ausgrabungen von Akrotiri, der ältesten Stadt Europas, welche hier seit 1967 freigelegt wird. Beeindruckende Zeugnisse der 3.600 Jahre alten, hoch entwickelten minoischen Kultur und gewaltiger Reichtümer, zerstört durch einen heftigen Vulkanausbruch. Lag hier etwa jenes sagenhafte Atlantis, dem Forscher aus aller Welt noch immer auf der Spur sind? Wir werden es wohl nie genau erfahren. 

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Auf einem 160 m langen Rundgang sehen wir wie die Santoriner einst gelebt haben. Danach verschlägt es uns zum Leuchtturm – Faros – an der äußersten Südwestspitze mit einzigartigem Blick über den gesamten Inselbogen, nach Thira und Oia sowie zu den Inseln Thirasia, Nea Kameni und Palea Kameni. Im beschaulichen Dorf Akrotiri speisen wir sodann zu Mittag – köstliches Gyros, Tsatsiki und griechischen Bauernsalat – und steigen danach hoch zum ocker- und weißfärbigen Rathaus sowie zur Burgruine, bis 1617 Residenz einer venezianischen Adelsfamilie. Von hier aus genießen wir einen wunderbaren Ausblick auf die Umgebung und die kleinen spätmittelalterlichen Kirchen Agia Triada und Ipapanti tou Sotirou. Zum Abschluss des Tages besuchen wir den Ort Megalochori, zu Deutsch „großes Dorf“, was heute jedoch mit 460 Einwohnern nur noch bedingt zutrifft. Beschaulich präsentiert sich hier das Leben und macht den Besuch aufgrund enger Gassen, traditioneller Häuser und zahlreicher Kirchen und Glockentürme überaus lohnenswert.

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Danach geht es heimwärts nach Oia zum Hotel, wo wir die Sonne erneut über dem Meer versinken sehen und ein weiterer schöner Tag zu Ende geht. 

1. Juni: Es verschlägt uns in die mittlere Region, in eine Gegend, wo sich die meisten Binnendörfer der Insel befinden. Vom Ort Kamari an der Ostküste aus haben wir uns als erstes Ziel die Ausgrabungen von Alt-Thera – über 1.000 Jahre lang die Hauptsiedlung der Insel – vorgenommen. Über eine steile Straße steuert Chris uns mit sicherer Hand bergwärts auf den Kamm des Mesa Vouno, dort wo der gewaltige Felsrücken steilwandig in die Ägäis hineinragt.  

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Die alte Stadt Thera wurde 1.000 v. Chr. von dorischen Siedlern, welche vom griechischen Festland kamen, gegründet. Freigelegt unter einer 6 m dicken Ascheschicht wurde sie auf eigene Kosten vom deutschen Baron und Archäologen Hiller von Gärtringen. Die Ruinen der antiken Stadt offenbaren uns einen grandiosen Ausblick sowohl auf den Ort Kamari als auch auf Perissa und scheinen zwischen Himmel und Erde zu schweben. Danach geht es wieder talwärts durch eine malerische Landschaft mit den Orten Exo Gonia und Pyrgos. Es zieht uns erneut ins Gebirge. Auf schmaler kurvenreicher Straße fahren wir empor zum höchsten Berg der Insel, dem 567 m hohen Profitis Ilias. Er ist viel älter als die übrige Insel und nicht aus Vulkangestein, sondern aus Kalk aufgebaut. Oben angekommen erwartet uns ein sensationeller Ausblick über Santorin und die Ägäis sowie auf ein (leider geschlossenes) Kloster und die Kirche Agios Nektarios.

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Nur schweren Herzens trennen wir uns vom wunderbaren Gipfelpanorama. Zunehmendes Hungergefühl treibt uns wieder talwärts nach Exo Gonia, wo wir im idyllischen Lokal „Metaximas“ kulinarisch verwöhnt werden. Wir speisen Huhn, Reis und Melanzani-Eintopf; auch zwei Katzen gesellen sich zu uns. Brot, Käse und Oliven als Vorspeise sowie Kuchen und Eis als Dessert werden noch zusätzlich vom Haus serviert. Efcharisto‘ – danke – Nicholas für diese super Restaurant-Empfehlung! Derart gestärkt erkunden wir sodann die älteste Inselkirche – Panagia Episkopi – gestiftet in 1115 von einem byzantinischen Kaiser.

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Inmitten freier, idyllischer Landschaft gelegen, besticht sie schon von außen durch einen Kirchhof voller blühender Topfblumen, Zypressen und eines ausladenden Johannisbrotbaumes. Beeindruckend sind die zahlreichen Fresken im Kircheninneren sowie eine geradezu friedvolle Atmosphäre, welche über diesem Ort liegt.

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Zum Abschluss des Tages geht es noch in das schöne Pyrgos auf einem 350 m hohen Bergkegel, das höchstgelegene Dorf der Insel mit mittelalterlichem Flair.Schon in venezianischen Zeiten ein befestigter Ort, avancierte es während der türkischen Besatzungszeit sogar zur Inselhauptstadt. Während sich Chris im Auto einem erholsamen Nickerchen hingibt, steige ich indes hoch durch das Kastro-Viertel, vorbei an der Christos-Kirche, zum Kastell. Hier genieße ich die Abendstimmung und den Blick über die Insel, den Flughafen und die Häuser und Kirchen des Dorfes. In der Ferne erkenne ich schon das heimatliche Oia, in welches wir schließlich wieder zurückkehren und uns von unserem Leihwagen trennen.

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2. Juni: Heute bin ich wieder ein Jahr älter oder wie man bei Frauen doch so treffend sagt, „reifer“ geworden! Ein schöner, sonniger Morgen erwartet mich auf der Hotelterrasse, wo wir gemütlich frühstücken, auf das Meer blicken und uns des Lebens freuen. Mit vielen Glückwünschen bedacht, starten wir danach den Tag in Oia an der weitgehend verfallenen Londsa-Burg - im Mittelalter Wohnsitz der venezianischen Adelsfamilie der Argyri - einem der schönsten Aussichtspunkte der Insel. Allabendlich versammeln sich hier Scharen von Touristen zum Sonnenuntergang. Von den Resten des Kastells aus blicken wir über weite Teile des Kraters, hinab auf den Hafen von Ammoudi sowie auf die Nachbarinseln Ios und Folegandros.

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Nachmittags flanieren wir erneut durch Oia und speisen im „Anemonilos“, einem gemütlichen, griechischen Restaurant. Köstlicher Schwertfisch, Fleischbällchen, Tsatsiki und griechischer Bauernsalat werden serviert und liebliche folkloristische Musik erklingt. Jamas! Ein Gläschen Wein auf meinen „halbrunden“ Geburtstag. Entspannt blicken wir über die blaue Ägäis und genießen die Ruhe und Beschaulichkeit. Während wir danach im weichen abendlichen Sonnenlicht am Kraterrand heimwärts Richtung Hotel spazieren, ergeben sich laufend beeindruckende Ausblicke auf das Meer und den Inselbogen. An spektakulären Fotomotiven mangelt es diesem Eiland wahrlich nicht!

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Abends werde ich noch im Hotel mit einer Geburtstagstorte überrascht und von allen geherzt. Ein letztes Mal noch sehen wir von unserer Terrasse aus die Sonne im Meer versinken, ehe für mich ein unvergesslicher Tag zu Ende geht. 

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3. Juni: Unser letzter Urlaubstag ist angebrochen. Einmal mehr frühstücken wir auf der Terrasse, blicken hinaus auf das Meer und die Inseln und lassen uns eine leichte Brise ums Gesicht wehen. Bald geht er nun zu Ende, unser Inseltraum. Tagsüber entspannen wir am Pool, ehe wir nachmittags zum Santorini Airport aufbrechen. Andi’o sas – auf Wiedersehen! Jetzt heißt es endgültig Abschied nehmen. Wie so oft auf Reisen, gelingt es uns auch diesmal nur schweren Herzens. Um 17 Uhr 10 hebt unsere Maschine von Thira ab. Ein letztes Mal noch blicken wir bei Sonnenschein auf die unter uns liegende Insel, ehe wir wieder ins regnerische Wien zurückdüsen.

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Wir nehmen wunderbare Eindrücke und Erinnerungen mit uns nach Hause von einem zauberhaften Flecken Erde, wunderbar zum Feiern besonderer Anlässe. Efcharisto’poli – vielen Dank – Marianna und Nicholas für Euer Engagement im Hotel! Es war sehr idyllisch im „Fanari Villas“ und hat einfach alles gepasst. Mit Freude werden wir uns stets erinnern an unseren Urlaub auf Santorin, dem Inseltraum inmitten der Ägäis!