• Unterwegs mit dem Glacier Express
Text: Herta Plomer | Fotos: Regina
 

Am 21. September frühmorgens um 6 Uhr 45 besteigen Regina und ich am Westbahnhof den Reisebus (einige Gäste sind schon an Bord) und an weiteren Sammelplätzen füllt sich unser Bus schließlich. In Linz ist dann unsere 39köpfige Reisegruppe komplett - eine bunt zusammengewürfelte Schar an Reiselustigen verschiedener Altersstufen und Charaktere. Die Sonne lacht vom Himmel (dies soll sich bis Reiseende nicht mehr ändern), Fahrer Wladi chauffiert uns mit sicherer Hand gen Westen und Reiseleiter Wolfgang versorgt uns mit Informationen über Land, Leute und organisatorischen Ablauf. Das Abenteuer Schweiz hat begonnen, wir durchfahren das kleine Deutsche Eck, speisen in Ellmau am Wilden Kaiser zu Mittag und weiter geht es Richtung Innsbruck, Klostertal, Finstermünzpass, wir passieren die Schweizer Grenze, das Engadin, Susch, bis wir am Abend unser Etappenziel Pontresina erreichen. Schon die Fahrt dorthin ist bezaubernd, eine liebliche Landschaft, satte grüne Wiesen, eine klare herbstliche Bergluft und die schneebedeckten Gipfel der Alpen. Auf einer Höhe von 1.775 m finden wir auch so manche Schneeflecken im Ort vor. Wir beziehen die Zimmer im Sporthotel und nach dem Abendessen unternehmen Regina und ich noch einen Verdauungsspaziergang, der jedoch infolge der etwas gedämpften Temperatur von 4° C nur kurz ausfällt. Doch auch der nächtliche Ausblick von unserem Hotelzimmer ins beleuchtete Pontresina und die umliegende Bergwelt beeindruckt uns sehr.

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22. September: Nach dem Frühstück besteigen wir wieder unseren Bus, von Pontresina geht es Richtung St. Moritz, wo wir nach kurzer Rundfahrt und Fotostopp um 9 Uhr 15 den Glacier-Express besteigen (Fahrer Wladi ist per Bus und mit unserem Gepäck parallel zu uns unterwegs). Es wird ein wahrhaft unvergesslicher Tag. Auf unserer Tagesstrecke nach Brig passieren wir 291 Brücken und 91 Tunnels, Almen, Wiesen und liebliche Dörfer, Samedan, Filisur, Tiefencastel sowie die spektakuläre Vorderrhein-Schlucht, immer mit kurzen Zwischenstopps. In Disentis ist ein Aufenthalt geplant und der sehr lange Zug soll getrennt und mit zwei Lokomotiven und Zahnstangen (für die besondere Steigung) ausgestattet werden.

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Das Kloster oberhalb des Bahnhofs verlockt auf Anraten des Reiseleiters zu einem Foto, doch leider startet unsere vordere Lok entgegen dem Zeitplan etwas verfrüht, sodass wir unseren Zug um Haaresbreite versäumen. Doch mit weiteren „gestrandeten“ Passagieren werden wir im zweiten, nachfahrenden Zug bestens betreut und versorgt. Züricher Geschnetzeltes mit Reis und Gemüse wird serviert und über Kopfhörer die weiteren Sehenswürdigkeiten entlang der Bahnstrecke erklärt. Wir passieren Sedrun, den Oberalppass auf über 2.000 m Seehöhe, dann geht es weiter talwärts Richtung Andermatt, wir „Verlorengegangenen“ haben nun einen ganzen Waggon nur für uns zur Verfügung und wissen ob der grandiosen Aussicht durch die Panoramascheiben oftmals nicht, wo wir zuerst hinsehen sollen. Oberwald, Münster, Fiesch, schließlich erreichen wir kurz vor 16 Uhr Brig, wo wir von unseren Mitreisenden und einem ebenfalls verlorengegangenen Reiseleiter wieder in Empfang genommen werden.

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Wir besichtigen den lieblichen Ort auf 671 m Höhe, flanieren durch die Gassen, vorbei an Sebastianskapelle und Stockalper-Palast. Mit dem Bus werden wir dann nach Visp zum Hotel Elite chauffiert, wo wir nach dem Abendessen noch mit weiteren Reisegästen einen nächtlichen Spaziergang durch die beleuchtete Altstadt unternehmen. Die Luft ist mild und nach einem kurzen Drink vor dem Hotel und einem Tag voller traumhafter landschaftlicher Eindrücke versinken Regina und ich in einen erholsamen Schlaf.

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23. September: Zeitig in der Früh läutet der Wecker und mit dem Bus werden wir nach Täsch gebracht, von wo aus die Bahn nach Zermatt startet. Da eine zweite Nacht in Visp geplant ist, bleibt uns diesmal das frühmorgendliche Kofferpacken erspart. Die Fahrt nach Zermatt (auf 1.604 m Höhe) dauert nur zwölf Minuten. Dort besteigen wir die 1898 eröffnete Gornergratbahn, eine der eindrucksvollsten Bergbahnen des Alpenraums. 45 Minuten fahren wir auf der Zahnstangenstrecke hinauf zum 3.089 m hoch gelegenen Gornergrat, bei einer max. Steigung von 200 %o. Schon auf der Fahrt ergeben sich atemberaubende Ausblicke, das 4.478 m hohe Matterhorn in seiner vollen Pracht, und auf der Bergstation ist das Panorama geradezu überwältigend und durch Worte kaum zu beschreiben. 

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Reiseleiter Wolfgang erklärt uns all die umliegenden Gipfel und gibt Informationen zur Bahn und danach lässt jeder für sich das Gipfelpanorama auf sich einwirken und auf diversen Fotos verewigen. Es folgt auch ein Gruppenfoto von uns allen mit zwei Bernhardinern und Schweizer Fahnen und dem Matterhorn im Hintergrund. Nach angemessener Zeit teilt sich unsere Gruppe, manche wandern in Teiletappen entlang der Gornergratbahn talwärts, eine weitere Gruppe, Regina und ich eingeschlossen, fahren mit dem Reiseleiter fast bis ins Tal, verlassen unterwegs die Bahn und wandern quer bergab durch den Wald zur Auffahrt mit der Gondel auf das Kleine Matterhorn.

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In drei Etappen erreichen wir den Gipfel in 3.883 m Höhe, wo wir durch Tunnel ähnlich am Kitzsteinhorn auf schneebedeckte Hänge gelangen. Wir treffen sogar die österreichische Ski-Nationalmannschaft beim Training und verewigen uns (zehn Gipfelstürmer) auf Fotos vor überhängenden Schneewechten und dem sich langsam in Wolken hüllenden Matterhorn. Schneebälle werden geworfen, die Stimmung ist ausgelassen und euphorisch und es wird viel gelacht.

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Für mich ist der Blick vom Kleinen Matterhorn auf die umliegende Berglandschaft noch gewaltiger als am Gornergrat, die Aussicht in die Ferne überwältigend – einfach nur glücklich sein! Nur schweren Herzens trennen wir uns von dem wunderbaren Alpenpanorama und fahren mit den Gondeln wieder talwärts. Nach kurzer Erfrischung auf einer der Almen kehren wir wieder nach Zermatt zurück, spazieren durch den Ort und genießen die letzten Ausblicke zum Matterhorn. Mit der Bahn fahren wir wieder nach Täsch, wo schon unser Buschauffeur wartet und uns nach Visp zurückbringt. Einige der Reisenden incl. uns beiden nützen noch die verbleibende Zeit vor dem Abendessen für einen Spaziergang durch die Altstadt von Visp, die wir schon tags zuvor nächtlich beleuchtet bewundert haben. 

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Nach einem gemütlichen, köstlichen Abendessen im Hotel geben wir uns der Nachtruhe hin, die jedoch diesmal infolge eines Stadtfestes und einer Feier im Haus für manche nicht so ganz ungestört ausfällt. Ich persönlich lasse die Eindrücke des Tages nochmals Revue passieren – ein unvergessliches Erlebnis und zweifelsohne ein Höhepunkt dieser Reise!

24. September: Kofferpacken ist wieder angesagt. Zeitig in der Früh verlassen wir Visp mit dem Bus Richtung Luzern / Vierwaldstättersee. Bei 6 – 8° C liegt der Nebel noch stellenweise über dem Tal, die Luft ist angenehm frisch und auf den Gipfeln zeigen sich die ersten Sonnenstrahlen. Wir haben einen kurzen Aufenthalt im typischen Dorf Niederwald, besuchen dort das Geburtshaus von Cesar Ritz, dem Gründer der weltberühmten Hotels, besichtigen die Kirche und bewundern die zahlreichen lieblichen alten Holzhäuser. 

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Nächste Station machen wir am Grimselpass. Wir blicken zum Rhonegletscher, fotografieren uns gegenseitig auf den Schneeflecken am See und machen einen Blick in den Murmeltierpark zu Schneeeulen, Waschbären, Gämsen und Murmeltieren. Das Panorama ist wieder traumhaft, wir passieren die Stauseen, den Brünigpass, fahren entlang des Sarnersees. Am Lungener See machen wir halt und genießen den Blick ins Tal. Bald erreichen wir Alpnachstad und starten von dort die Auffahrt mit der steilsten Zahnradbahn der Welt auf den Pilatus. Ein imposantes Bergpanorama wechselt mit traumhaften Ausblicken auf den zu Füssen liegenden Alpnachersee, wir erblicken Bergsteiger in steilen Wänden, Paragleiter vom Gipfel ins Tal schwebend, Dohlen im Gebirge – ein unvergessliches Erlebnis.

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An der Bergstation angekommen, erklimmen wir noch per pedes die letzten Gipfel, u.a. den „Esel“, ein Aussichtspunkt, der uns den Ausblick auf Luzern sowie den gesamten Vierwaldstättersee eröffnet. Nach Gipfelfotos mit unseren Begleitern sowie einem Rundgang durch eine kleine Höhle mit Blick auf die andere Seite des Tales schweben wir zusammen mit unserem Reiseleiter mit der Seilbahn talwärts Richtung Luzern. An der Mittelstation wechseln wir auf Gondeln, vorbei an Sommerrodelbahn und Klettergarten und erreichen wieder festen Boden. Wir kaufen noch die letzten Souvenirs, besteigen wieder unseren Bus und verlassen Luzern Richtung Autobahn. Es geht über den Zugersee, Zürichsee, vorbei an Rapperswil, Richtung Vorarlberg. Schön langsam müssen wir der Schweiz „adieu“ sagen. Wir erreichen Liechtenstein und kommen abends in unserem Hotel Gasthof Löwen in Feldkirch an. Österreich hat uns wieder.

25. September: Der Tag beginnt wieder zeitig, um 7 Uhr steigen wir in den Bus, um unsere Heimreise Richtung Wien anzutreten. Während eines Aufenthaltes in Wattens erkunden wir die wunderbaren Swarovski Kristallwelten. André Hellers 14 unterirdische Wunderkammern verzaubern uns und versetzen uns in einen Traum aus Illusionen, Fantasien und Sehnsüchten und führen uns in ein funkelndes Reich voller Geheimnisse und Magie. Ein beeindruckendes Erlebnis und zweifelsohne ein letzter Höhepunkt auf dieser gelungenen Reise.  

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In Ellmau am Wilden Kaiser stärken wir uns wieder kulinarisch zu Mittag und setzen unsere Heimreise fort. In Linz und St. Pölten verlassen uns die ersten Mitreisenden und gegen 18 Uhr 30 erreichen wir wieder den Westbahnhof, wo für uns und etliche unserer Begleiter die Reise endet.

 

Es waren unvergessliche Tage inmitten einer einzigartigen Gebirgslandschaft mit zahlreichen schönen Erlebnissen und Erfahrungen, die wir mit unserer Reisegruppe zusammen hatten. Ich werde immer gerne daran zurückdenken.