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Text & Fotos: Christian Plomer

  • Besucherzentrum Postojnska Jama

Im Südwesten Sloweniens gelegen, am Weg Richtung Adriaküste, ist die Tropfsteinhöhle von Postojna (Postojnska Jama), auch Adelsberger Grotte genannt, die besucherstärkste Schauhöhle Europas. Nach der Jeitro-Grotte im Libanon ist sie die zweitgrößte für Touristen erschlossene Tropfsteingrotte der Welt und die größte Europas.

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Sie ist ein fantastischer Komplex von Gängen, Galerien und Hallen, voll bewundernswerter Stalagmiten, Stalaktiten, eleganter steinerner Vorhänge und mächtiger Säulen. Die Höhle bildet auch den unterirdischen Flussweg des Pivka, der direkt beim Eingang im Untergrund versickert. In weiterer Folge taucht er an verschiedenen Stellen der Höhle auf und verliert sich wieder in Siphonen.

Der erste Besuch der Höhle ist belegt mit dem Jahr 1213. Im 16. Jahrhundert wurde ein erster Besucherhöhepunkt erreicht und 1689 die Höhle von Johann Weichard von Valvasor in seinem Werk ‚Die Ehre dess Hertzogthums Crain‘beschrieben. Nachdem 1818 neue Teile entdeckt, Wege angelegt und Licht installiert wurden, entwickelte sich die Höhle schnell zum Anziehungspunkt für weitere Besucher.

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In dieser unterirdischen Welt lebt eine biologische Besonderheit, der Grottenolm oder Proteus anguinus, ein blinder Schwanzlurch, welcher nur in der Karstwelt des Dinarischen Gebirges vorkommt. Im Vivarium Proteus nahe des Höhlen-Haupteinganges können einige Exemplare angesehen werden. Man schätzt, dass die Höhle von Postojna von über 150 Tierarten als Lebensraum genutzt wird.

Mit der 1872 angelegten und 1957 elektrifizierten Höhlenbahn kann man heute komfortabel in den Berg einfahren. Man durchfährt den Konzertsaal, den weißen Schneesaal und kommt beim schimmernden Stalagmiten Brillant vorbei. Die Monumentalität der unterirdischen Welt und der Reichtum von Sinterbildung und Tropfsteinen kann heute bei elektrischer Beleuchtung bewundert werden.

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Bei konstanter Temperatur von 8-10°C können von den 21 km erforschten Gängen in einer 1 ½ Stunden-Rundtour etwa 5 km per Bahn und zu Fuß besichtigt werden.

Der ursprüngliche Höhleneingang dient heute als Ausgang, hier sind im Gang der Unterschriften auch Spuren der ersten Besucher aus dem 13. Jahrhundert zu finden. Der heutige Eingang im künstlich verbreiteten Teil führt zur Einstiegstation der Höhlenbahn.

In der 1818 entdeckten Alten Höhle verliefen die ursprünglichen touristischen Wege. Heute fährt man teilweise mit der Höhlenbahn durch. Reicher Sinterschmuck und an einigen Wänden noch immer feststellbare Flussspuren zeichnen diesen Bereich aus.

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Unter dem Großen Berg (Kalvarienberg) befindet sich die Höhlenbahnstation, wo man aussteigt und den Weg zu Fuß fortsetzt. Der Große Berg ist ein durch einen Deckenbruch entstandener unterirdischer Saal. Die hier auf dem Boden stehenden riesengroßen Stalagmiten sind mehrere Millionen Jahre alt.

Die Schönen Höhlen und der Russische Gang sind nach Norden führende Gänge, wo der natürliche Teil der Höhle von Postojna endet. Sie sind durch einen künstlichen Gang verbunden, so dass die Besichtigung in Form einer Schleife und unter der Russischen Brücke fortgesetzt werden kann. Die Schönen Höhlen stellen den mit Sinterschmuck meist geschmückten Höhenbereich dar, der sich stellenweise in Hallen ausbreitet, die nach den Sintereigenschaften benannt werden.

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Die erste ist die Makkaroni-Halle, in der nebeneinanderstehende dünne und hohle Röhrchen aus Kalkspat von der Decke herunter hängen. Die Weiße Halle wurde nach ihrem ausgesprochen weißen Sinter und weißen Tropfsteinen aus reinem zusatzstoffarmem Kalkspalt benannt. Die Rote Halle erhielt ihren Namen von den überwiegend rötlichen Sinter aus Zusatzstoffen, welche das Wasser auf den Weg in die Höhle mitbringt ist.

Der Rundweg setzt sich unter der Russischen Brücke in Richtung des Konzertsaals fort, wo links die Tropfsteinsäule und jener etwa 5m hohe prunkvolle, weiße Tropfstein Brillant zu bestaunen sind, der aufgrund seiner außerordentlichen Schönheit schon seit Jahrzehnten das Symbol der Höhle von Postojna ist.

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Hier tropft die Decke stärker und gleichmäßiger und das an der Oberfläche entlanglaufende Wasser lagert konstant und gleichmäßig eine aus reinem Calcit bestehende dünne Schicht aus Sinter ab, welcher dem Stein seinen strahlendweißen äußeren Schein beschert.

Im Hintergrund hängen an den Wänden Sintervorhänge und die wasserfallartige Sinterskulptur Orgel genannt, von der Decke hängen winzige Stalaktiten, ein atemberaubender Anblick.

Im Konzertsaal, welcher zu den größten Hallen in der Höhle von Postojna zählt, können bis zu 1.000 Besucher empfangen werden. Seit Jahrhunderten werden hier bereits verschiedene Veranstaltungen abgehalten und auch noch heute verzaubert die besondere Stimmung in diesem Saal. Hier befindet sich auch die Station der Höhlenbahn, um die Tour zu beenden und auszufahren.

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Die Ausfahrt führt durch die besonders herausragende Kongresshalle oder Ballsaal, wo einst prächtige Feste veranstaltet wurden und welche mit prunkvollen Lustern beleuchtet ist. Jedes Jahr am Pfingstmontag wurde im Ballsaal ein Fest organisiert, gemäß des Höhlenarchives erstmals hier im Jahr 1825. Anlässlich des IV. Internationalen Speläologischen Kongresses im Jahre 1965 wurde die Halle in Kongresshalle umbenannt.

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Die Ausstiegstelle der Höhlenbahn liegt in einer großen Höhle, von wo sich ein spektakulärer Blick auf den ins Erdinnere fließenden Fluss Pivka bietet. Ein gewaltiger Abschluss einer eindrucksvollen Besichtigung toller Tropfsteingebilde, Stalagmiten, Stalaktiten und mächtiger Säulen.

Predjamski Grad (Höhlenburg Lueg)

Mein nächster Programmpunkt ist die 9 km von Postojna entfernte Predjamski Grad (Höhlenburg Lueg) im gleichnamigen Dorf Predjama.

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Ich nehme den Shuttlebus; nach der Fahrt entlang der Küstenstraße (Jadranska Magistrale) von Zadar über Rijeka nach Postojna am Vortag tut ein autofreier Tag gut - und eventuell ergibt sich ja auch das eine oder andere Besichtigungsbier :-).

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Die 1202 erstmals erwähnte Burg ist inmitten einer 123m hohen Felswand teilweise in ein Höhlenportal hineingebaut und war ursprünglich als Wohnstätte des legendenumwobenen Raubritters Erasmus bekannt. Die jetzige Gestalt der Burg stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist heute ein Museum. Ihr romantisches Erscheinungsbild wird vom idyllischen Lokva-Bach ergänzt, der tief unter der Burg in den Untergrund verschwindet.

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Die Burg ist nur von einer Seite zugänglich, doch nach einer Legende soll sich Ritter Erasmus Lueger mit Lebensmitteln über einen Geheimgang versorgt habe, der aus der alten Burg durch den Berg hindurch ins nächste Tal führt. Die uneinnehmbare Burg wurde über ein Jahr lang von den kaiserlichen Truppen belagert und Erasmus letztlich erst durch eine List seiner Gegner und durch die Bestechlichkeit seines Dieners besiegt.

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Die Besichtigung der Burg gibt einen interessanten Einblick in das damalige Leben der Ritter und die beim Eingang erhältlichen Audioguides erzählen während des Rundganges von der Geschichte der Burg und ihrer Bewohner.

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Die Räume sind der damaligen Zeit entsprechend eingerichtet, teilweise auch mit Original-Mobiliar. Reich ausgestattet sind der Rittersaal und die Burgkapelle, der Speisesaal gibt einen Einblick in das Burgleben der Spätgotik und im Renaissancesaal sind Jagdtrophäen des Fürsten Windischgrätz, des letzten Burgbesitzers, ausgestellt.

Höhle unter der Burg Predjama

Als Abschluss meines Postojna-Besichtigungstages zieht es mich noch in die Höhle unter der Burg Predjama, die zweitlängste Karsthöhle Sloweniens mit bisher entdeckten 8 Kilometer Höhlenabschnitten, welche sich in vier Stockwerke verzweigen. Auch hier befindet man sich auf geschichtsträchtigem Boden, archäologische Funde in einer Höhle hinter der Burg zeugen von der Existenz des Steinzeitmenschen, im Pferdestall genannten Eingangsteil wurden Reste aus römischer Zeit gefunden, und im Namengang sind Unterschriften aus dem 16. Jahrhundert zu sehen.

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Helme mit Stirnlampen werden ausgegeben, der 700 Meter lange für Touristen zugängliche Teil ist unbeleuchtet und im Gegensatz zur doch komfortabel ausgebauten Grotte von Postojna noch sehr ursprünglich. Gut, dass ich meine Wanderschuhe trage!

Wir, eine kleine Gruppe abenteuerlustiger Besucher, steigen von der Burg einen schmalen Pfad hinunter; der Höhleneingang befindet sich unterhalb der Burg nahe dem Lokva-Bach. Gleich am Anfang der Höhle blickt man von einer Balustrade hinunter auf den spektakulär im Untergrund verschwindenden Bach. Weiter geht es immer leicht bergauf über Höhlenboden, durch enge Durchgänge und über Leitern nach oben, durch Höhlenteile wie Pferdestall, Hauptgang, Namengang und Großer Saal.

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Wir sehen im Schein der Stirnlampen – gut, dass ich auch meine eigene LED-Lampe mit dabeihabe – nahe der Höhlendecke Fledermäuse herumfliegen. Die Höhle ist wegen ihrer günstigen Lage und Temperatur das Winterquartier einer Fledermauskolonie und daher nur zwischen Mai und September, außerhalb der Zeit ihres Winterschlafs zu besichtigen.

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Die Zeit ist schnell um, die 45-minütige Tour endet in der Fiženca mit dem Ausgang oberhalb der Burg, womit insgesamt doch einige Höhenmeter stetig bergan in der Höhle zurückzulegen waren.

Toll, dass ich diese Gelegenheit hatte! Die Grotte von Postojna ist sicherlich der Besuchermagnet der Gegend, ein paar davon verschlägt es auch in die Burg Predjama, aber wenige Besucher in die Höhle!

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Das Warten auf den Transferbus zurück nach Postojna wird mir auch nicht lange; bei einem nahen Gasthaus gibt es zur Stärkung Cevapcici mit Aivar und einem lokalen Bier. Na zdravje! Prost!

Weitere wunderschöne Slowenische Plätze, wie die liebliche Hauptstadt Ljubljana oder das Städtchen Bled am gleichnamigen See werden Gegenstand eines späteren Reiseberichtes sein…